Geschichten erzählen

„Was schreibst du, und warum?“

Inge Bateman lädt zur Blogparade ein mit der Fragestellung „Was schreibst du, und warum?“ – ein mehr als willkommener Anlass, dieses Blog mit einem weiteren Beitrag zu füllen. Ich freue mich sehr über diese Anregung.

Schon als Kind habe ich gern geschrieben.

In der Grundschule war ich zunächst enttäuscht, dass es anfangs nur um Rechtschreibung und Diktate ging und gar nicht um Geschichten. Ich wurde auf die zweite Klasse vertröstet. In der zweiten Klasse, da dürft ihr Aufsätze schreiben, hieß es. Also fieberte ich auf die zweite Klasse hin. Und wurde wieder enttäuscht. Denn die Aufsätze, die wir schreiben mussten, waren gar keine wilden Abenteuergeschichten, sondern Inhaltsangaben und Nacherzählungen.

Zum Glück hatte ich Brieffreundinnen und mein Tagebuch. Wobei es auch hier keine wilden Abenteuergeschichten gab, sondern ich jeweils einfach meinen Alltag schilderte. Und mein gefühliges Innenleben dazu.

Als kleines Experiment brachte ich zusammen mit einer Freundin noch zu Grundschulzeiten auch mal eine kleine Zeitschrift heraus, die wir in der Nachbarschaft verkauften. Am meisten Spaß machte es uns, uns Texte auszudenken fürs Horoskop und diese dann den zwölf Sternzeichen zuzulosen. Nach zwei Ausgaben taten wir uns mit unseren Brüdern zusammen und brachten zu viert eine neue Zeitschrift heraus. Unwissentlich gaben wir ihr leider einen unanständigen Namen. Es blieb bei einer Ausgabe.

Auch ein kleines Theaterstück schrieb ich, „Nina und Gina, die Zwillinge“, das ich zusammen mit der Freundin im Trockenraum unseres Mehrfamilienhauses aufführte. Leintücher auf der Wäscheleine aufgehängt dienten uns als Vorhang. Das Stück hatte vermutlich einige Längen, denn ich erinnere mich, dass wir über weite Strecken Cornflakes aßen oder auch einfach nur schliefen. Die Hausgemeinschaft jedoch war ein dankbares Publikum.

In meiner Jugend dann schrieb ich Songtexte und Gedichte. Die deutschen Songtexte fand ich immer etwas spröde, doch auf englisch konnte ich mich nicht gut genug ausdrücken, also blieb ich bei deutsch. Ein großer Wurf war nie dabei, doch neben Briefen und Tagebuch weitere Ausdrucksmöglichkeiten zu haben, war schön.

Und sowieso verlagerte sich alles immer mehr hin in Richtung Musik. Auch da werden schließlich Geschichten erzählt. Mit Tönen statt Buchstaben. Selbst komponiert habe ich zwar so gut wie nichts, aber mit der Geige die Geschichten erzählt, die andere sich ausgedacht hatten und ihnen mit meinen Emotionen Leben eingehaucht.

Geschrieben habe ich dann außer gelegentlichen Briefen und Lebensläufen sehr lange gar nichts mehr, bis zu meinem ersten Blog mit einundvierzig Jahren. Wenige Wochen zuvor richtete ich zusammen mit einer Freundin ein gemeinsames Blog ein, in dem wir uns gegenseitig beim Abnehmen unterstützen wollten. Bis dahin kannte ich Blogs überhaupt nicht, war aber schnell hellauf begeistert und schenkte mir zum einundvierzigsten Geburtstag ein eigenes. Dort schrieb ich munter drauflos. Geschichten, Gedichte und irgendwas dazwischen. Die meisten Geschichten nahe an der Realität, aber hin und wieder leicht verfremdet und manches auch komplett ausgedacht. Teilweise sehr kryptisches Zeugs. Endlich durfte ich die wilden Abenteuergeschichten erzählen, auf die ich mich in der zweiten Klasse gefreut hatte. Im Blog schrieb ich unter Pseudonym, was es für mich noch leichter machte.

Wenig später richtete ich mir zusätzlich einen Twitteraccount ein. Auch hier wurde eifrig geschrieben. Auch hier nahe an der Realität, teilweise leicht überzeichnet. Denn schließlich sollte es auch unterhaltsam sein, man wollte ja niemanden langweilen. Auf Grund der Zeichenbeschränkung auf Twitter war man zudem gezwungen, sich kurz zu fassen. Das war eine gute Schule, Dinge auf den Punkt zu bringen. Alles war pointierter als im Blog und in Echtzeit und auch die Kommentare viel unmittelbarer. Das Blog schlief zunehmend ein, was einerseits schade war, doch Twitter war nach und nach eine echte Heimat geworden.

Leider existiert Twitter inzwischen ja nicht mehr und eine neue Schreibheimat habe ich bislang noch nicht wirklich gefunden.

Einen Blogneustart gibt es hier, inklusive ein paar weniger Lieblingsbeiträge des alten Blogs, die ich hierher umgezogen habe. Ohne Pseudonym zu schreiben fällt mir allerdings schwer. Und ich bin noch unsicher, wie ich es handhaben soll mit den überzeichneten Geschichten, den ausgeschmückten oder gar frei erfundenen.

So ist es bislang nur bei einer Konzertvorausschau geblieben. Die nahe dran ist an dem, was ich sonst so schreibe im Alltag. Nämlich Lebensläufe, Bandbeschreibungen und Konzertankündigungen. Und Rechnungen.

Ah, und ein 6-Minuten-Tagebuch führe ich seit einiger Zeit. Dort schreibe ich jedoch immer nur ein paar wenige Stichpunkte hinein.

Und nun habe ich mich sehr über die Gelegenheit gefreut, im Rahmen der Blogparade von Inge Bateman einen Text übers Schreiben zu verfassen. Was ich schreibe und warum.

Wobei ich auf das Warum bislang noch gar nicht eingegangen bin. Doch das ist schnell beantwortet:

Weil ich gerne Geschichten erzähle.

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